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Schwere Erdbeben: DRK unterstützt Soforthilfe in der Türkei und Syrien

In den frühen Morgenstunden des 6. Februar ereignete sich eines der stärksten je gemessenen Erdbeben in der Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien. Die Beben und diverse Nachbeben haben dramatische Auswirkungen für Menschen im Südwesten der Türkei sowie dem Nordwesten Syriens. „Wir verfolgen die Ereignisse mit großer Bestürzung und sind in Gedanken bei den Betroffenen. Die Menschen in den Katastrophenregionen in der Türkei und Syrien brauchen nun dringend humanitäre Hilfe. Das Deutsche Rote Kreuz stimmt Hilfsmaßnahmen aktuell unter Hochdruck gemeinsam mit unseren Partnern in der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung ab, um die bereits angelaufenen Soforthilfemaßnahmen unserer Partner vor Ort so zielgerichtet wie möglich zu unterstützen“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Christian Reuter.

Wie ist die Lage vor Ort?

Bei den Erdbeben im Südosten der Türkei und im Nordwesten Syriens kamen bislang mehr als 50.000 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt, Infrastruktur und zahlreiche Gebäude wurden in den betroffenen Regionen beider Länder zerstört oder beschädigt.


Unsere Schwestergesellschaften, der Türkische Rote Halbmond (TRH) sowie der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC), sind von den ersten Stunden an vor Ort im Einsatz. Es werden u.a. Unterkünfte, Decken, Nahrung und Kleidung zur Verfügung gestellt. Zudem sind Betreuerinnen und Betreuer im Einsatz, die psychosoziale Unterstützung anbieten. Insbesondere nachts fallen die winterlichen Temperaturen in der betroffenen Region derzeit auf unter null Grad, was die Lage für Helfende und Betroffene noch angespannter macht.


Wie hilft das Deutsche Rote Kreuz?

Wir befinden uns aktuell unter Hochdruck in der Abstimmung mit unseren Schwestergesellschaften vor Ort und unseren Partnern in der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, um genau zu erfassen, welche Hilfe in welchem Umfang am dringendsten benötigt wird, damit wir zielführend unterstützen können. Das DRK hat bereits nach wenigen Stunden initiale Unterstützung für die Einsatzteams in beiden Ländern zugesagt. Diese wird vom Auswärtigen Amt mit 500.000 Euro unterstützt.


Das DRK hat am 10. und 11. Februar erste Hilfstransporte per Flugzeug und LKW-Konvoi in die Türkei auf den Weg gebracht. Weitere Hilfsgütertransporte folgten am 17. und 21. Februar. Unter Beteiligung zahlreicher Landesverbände konnten insgesamt über 340 Tonnen dringend benötigte Hilfsgüter in das Katastrophengebiet gebracht werden, darunter fast 10.000 Decken, 5.000 Isoliermatten, 560 größtenteils winterfeste Familienzelte, 1.000 Zeltplanen, 4.700 Feldbetten, 1.500 Schlafsäcke, 138 Zeltheizungen, 1.000 Hygienepakete, 4 Sanitärcontainer, 182 Großzelte, 46 Generatoren und zwei Waschmaschinen. Die Hilfsgüter wurden bei Ankunft an den Türkischen Roten Halbmond übergeben und werden von diesem an Betroffene verteilt. Im Transport inbegriffen waren auch 4 Rettungswagen, die an den Türkischen Roten Halbmond für die Versorgung von Betroffenen übergeben werden konnten. Darüber hinaus wurden dem Türkischen Roten Halbmond ungebundene Mittel in Höhe von 250.000 Euro zur direkten Nutzung für die dringendsten Bedarfe vor Ort zur Verfügung gestellt.


Das DRK unterstützt auch bei der Ausweitung anderer Hilfsaktivitäten für die Betroffenen. Der Bedarf an psychosozialer Betreuung vor Ort ist enorm. Die Menschen in den betroffenen Regionen sind traumatisiert und durchleben bei erneuten Beben regelmäßig neue Schocksituationen. Für siewerden psychosoziale Betreuungsangebote ausgeweitet. Zudem wird Unterstützung mittels Geldleistungen vorbereitet. Es gilt, den betroffenen Familien und Personen schnellstmöglich und so weit möglich wieder einen selbstbestimmten Alltag zu ermöglichen.

In Syrien unterstützt das DRK den Syrischen Arabischen Roten Halbmond im Rahmen erster Soforthilfemaßnahmen mit einer mobilen Gesundheitseinrichtung, die in die vom Erdbeben betroffene Region entsendet wurde. 5.000 Matratzen, die in einem vom DRK unterstützten zentralen Lagerhaus in Tartous, im Westen Syriens, vorgehalten wurden, werden ebenfalls in die betroffenen Regionen verbracht. Darüber hinaus stellt das DRK mehrere hundert Mahlzeiten für Betroffene in Aleppo bereit und unterstützt vor Ort das Kinderkrankenhaus. Das DRK unterstützt bereits seit Jahren das humanitäre Logistiknetzwerk von SARC und finanziert zusätzlich Treibstoff, Transporte von Hilfsgütern und weitere Lagerkapazitäten in den betroffenen Gebieten. Der DRK-Logistikkoordinator in Damaskus übernimmt in Absprache mit SARC federführend die Koordination aller ankommenden Hilfsgüter aus der gesamten Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.


Der erste DRK-Hilfstransport per Flugzeug nach Syrien umfasste neben medizinischem Verbrauchsmaterial vor allem dringend benötigte Medikamente. Die insgesamt 20 Tonnen Hilfsgüter wurden am Flughafen Leipzig/Halle verladen und in Richtung Damaskus auf den Weg gebracht. Vor Ort werden die Güter über das medizinische Logistiknetzwerk des Syrischen Arabischen Roten Halbmond an Gesundheitseinrichtungen in betroffenen Regionen verteilt.


Ist das DRK auch mit eigenen Teams vor Ort, um etwa bei der Bergung von Menschen zu helfen?

Das DRK hat zwar keine eigenen Rettungsteams vor Ort, ist aber durch Mitarbeitende in beiden Ländern vertreten. Sie übernehmen vor allem die Klärung der Bedarfe und koordinieren die Hilfslieferungen und -maßnahmen mit den Schwestergesellschaften. So können wir die stetige und enge Abstimmung mit unseren Schwestergesellschaften vor Ort sowie unseren Partnern in der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung gewährleisten und genau erfassen, welche Hilfe wo in welchem Umfang am dringendsten benötigt wird, um zielführend zu unterstützen. Derzeit geht es darum, die Überlebenden mit dem Notwendigsten zu versorgen. Neben dieser unmittelbaren Soforthilfe stellen wir uns bereits jetzt darauf ein, auch längerfristig Unterstützung in den betroffenen Regionen zu leisten und unseren Schwestergesellschaften zur Seite zu stehen.



Wie kann ich helfen?

Wir wissen, dass die Betroffenheit angesichts des Erdbebens in der Türkei und in Syrien auch in der deutschen Bevölkerung groß ist und der Wunsch, den Menschen vor Ort Unterstützung zu bieten, ebenso. Das Deutsche Rote Kreuz bittet um Spenden und hat dafür folgenden zentralen Spendenzweck eingerichtet: „Nothilfe Erdbeben Türkei und Syrien“.


IBAN: DE63370205000005023307 BIC: BFSWDE33XXX Stichwort: Nothilfe Erdbeben Türkei und Syrien


Sachspenden

Die Not der betroffenen Menschen und damit ihr Bedarf an Unterstützung ist groß. Damit Hilfe tatsächlich ankommt, ist es wichtig, dringend benötigte Logistik- und Hilfeleistungsstrukturen nicht unnötig zu belasten oder gar zu blockieren. Gut gemeinte, aber nicht abgestimmte Hilfslieferungen füllen Lagerhäuser, binden Transport- und Sortierkapazitäten. Sie helfen leider nicht, sondern behindern die humanitäre Arbeit vor Ort. Das DRK kann weder den Transport privater Sachspenden übernehmen, beziehungsweise diesen organisieren, noch die für den Transport notwendigen Zollbescheinigungen beschaffen und etwaige Formalitäten erledigen. Anderslautende Hinweise sind schlicht falsch. Darüber hinaus ist es nicht möglich, sich einem Hilfskonvoi des DRK anzuschließen.


Geldspenden

sind gegenüber Sachspenden eine deutlich effektivere Art der Hilfe. Der große Vorteil von Geldspenden ist, dass die bedachte Organisation damit die Möglichkeit hat, die Verwendung der Mittel flexibel sich ändernden Verhältnissen und einer sich verändernden Bedarfslage in den betroffenen Gebieten anzupassen. Was in sich sehr schnell ändernden Situationen absolut erforderlich ist. So kann letzten Endes noch besser sichergestellt werden, dass die Gelder in den Bereichen eingesetzt werden können, in denen der Bedarf – mit Blick auf das Tätigkeitsspektrum des Roten Kreuzes – jeweils am größten ist.


Anfragen von Unternehmen

Anfragen von Unternehmen zu Spenden oder Kooperation können an unternehmen@drk.de gerichtet werden.


Hilfsangebote von Ärztinnen und Ärzten, Notfallsanitäterinnen und -sanitätern sowie Krankenpflegerinnen und -pflegern und sonstigem Gesundheitspersonal (z.B. Hebammen):

Wir sind sehr dankbar für Ihr Angebot, in dieser schweren Krise mit dem Deutschen Roten Kreuz zu arbeiten.


• Das DRK hält bereits jetzt unter anderem Gesundheitspersonal vor, um in Sofort- und Nothilfeeinsätzen reagieren zu können.

• Dieses Gesundheitspersonal, aber auch Personal in den Bereichen Wassertechnik, Logistik, Finanzen usw. sind Teil des DRK-Sofort- und Nothilfepersonalpool (Surge Roster).

• Um Teil des Rosters zu werden, müssen Interessierte eine Zahl an verpflichtenden Online- und Präsenztrainings absolvieren, die vom DRK und seinen Schwestergesellschaften angeboten werden.

• Studierende und Personen, die ein solches Training nicht absolviert haben, können leider in keiner Weise eingesetzt werden.

• Vor allem bei Einsätzen in Krisengebieten ist ein spezielles Sicherheitstraining im Vorfeld eines Einsatzes essenziell.

• Der DRK-Trainingskalender sowie weitere Informationen zu den Voraussetzungen, gesuchten Profilen und verpflichtenden Online- und Präsenztrainings sind hier abrufbar: https://www.drk.de/en/be-involved/training-programme-for-international-deployments/

• Interessierte können ihr Profil an das DRK übermitteln und sich auf Trainings bewerben. Wichtig: Kontaktdaten und Lebenslauf müssen auf Englisch vorliegen.

• Weitere Fragen können gerne an surge@drk.de gerichtet werden.



Wie viel von jeder Spende wird für Marketing- und Verwaltungsausgaben aufgewendet?

Für 2020 lagen die Marketing- und Verwaltungskosten des DRK-Generalsekretariats bei 18,61 Prozent. Diese 18,61 Prozent werden eingesetzt für die Planung und Steuerung der Hilfsprojekte, für Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, die Berichterstattung zur Spendenverwendung sowie Verwaltung und Qualitätssicherung. Damit die Spenden verantwortungsvoll und sachgerecht verwendet werden, ist ein gewisses Maß an Verwaltung und Kontrolle unerlässlich. Das DRK berichtet über die Verwendung der Spenden auf seiner Webseite, in seinen Spendenbriefen und anderen Medien.


Wo kann ich Unterstützung erhalten, wenn meine Familienangehörigen aufgrund des Erdbebens vermisst sind?

Die Sorge und Angst um vermisste Angehörige sind in einer Katastrophe wie dieser unvorstellbar groß. Für Betroffene hat oberste Priorität zu wissen, wo ihre Angehörigen sind und wie es ihnen geht, ob sie überlebt haben oder ob sie Hilfe brauchen. Dies gilt auch für die in Deutschland lebenden Familienmitglieder, die keine Nachrichten von ihnen nahestehenden Menschen im Erdbebengebiet in der Türkei oder in Syrien haben.


Wir bemühen uns, gemeinsam mit dem Türkischen Roten Halbmond, dem Syrisch -Arabischen Roten Halbmond sowie der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Syrien, humanitäre Hilfe nach dem Maß der Not zu leisten.


In der aktuellen Phase rät der DRK-Suchdienst:

Bemühen Sie sich, soweit möglich, mit Ihren Familienmitgliedern vor Ort in Kontakt zu kommen, sich gegenseitig informiert zu halten und einander zu unterstützen. Sollten Sie den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben, versuchen Sie bitte zunächst selbst, diese per E-Mail oder mobil zu erreichen.


Betrifft Ihre Sorge ein deutsches Familienmitglied in der Türkei, empfehlen wir Ihnen, die Hinweise des Auswärtigen Amts zu beachten, die die Möglichkeit aufzeigen, Ihr Anliegen über ein Kontaktformular auf konsularischem Weg an die türkischen Behörden zu richten:


Wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihre Verwandten über die regulären Kommunikationsmittel oder konsularische Wege zu finden, steht der DRK-Suchdienst an Ihrer Seite, um Sie bei Ihren Suchbemühungen zu unterstützen:



Erfahrungsgemäß wird es noch dauern, bis Suchanfragen aus dem internationalen Suchdienst-Netzwerk von der Nationalen Rothalbmond-Gesellschaften der Türkei, Syriens und der Delegation des Internationalen Komitees in Syrien verlässlich beantwortet werden können.

Information zu Syrien: Der DRK-Suchdienst weist darauf hin, dass er in der derzeitigen, sehr unübersichtlichen Lage noch nicht aktiv werden kann, um den Kontakt zu vermissten Angehörigen in den betroffenen Gebieten Syriens herzustellen. Unsere Partner vor Ort, der Syrisch-Arabische Rote Halbmond sowie die Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Syrien, konzentrieren sich in der gegenwärtigen Phase der Katastrophe vorrangig auf lebensrettende Maßnahmen und die notwendige Hilfe bei der Versorgung von Betroffenen im Erdbebengebiet.


Aktuelle Informationen veröffentlichen wir über die DRK-Suchdienst-Website: drk-suchdienst.de



Blutspende

Den DRK/BRK-Blutspendediensten liegen aktuell keine offiziellen, behördlichen Anfragen zur Unterstützung mit Blutpräparaten im Rahmen der katastrophalen Erdbeben in der Türkei und Syrien vor. Die DRK/BRK-Blutspendedienste stehen in intensivem Austausch mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen des Deutschen und Internationalen Roten Kreuzes sowie den entsprechenden behördlichen Stellen, um Hilfe im Bedarfsfall schnellstmöglich zur Verfügung stellen zu können. Ein koordiniertes, mit den Einsatzkräften vor Ort eng abgestimmtes Vorgehen ist zwingende Voraussetzung, damit benötigte Unterstützung ihr Ziel auch sicher erreichen kann.

Die DRK/BRK-Blutspendedienste weisen darauf hin, dass ein kontinuierlicher Nachschub an Blutspenden grundsätzlich unerlässlich ist, um auch in Krisensituationen sofort helfen zu können. Daher bitten die DRK/BRK-Blutspendedienste die vielfältigen Blutspendeangebote generell und kontinuierlich wahrzunehmen. Die Blutspende ist auch für neue Spenderinnen und Spender immer eine sehr gute Gelegenheit, sich solidarisch zu engagieren.


Blutspendetermine in Ihrer Nähe und Informationen zur Blutspende beim Deutschen Roten Kreuz finden Sie unter:


Wo bekomme ich zuverlässige Informationen zu den aktuellen Entwicklungen?

Angesichts der unübersichtlichen Lage raten wir dazu, Informationsquellen kritisch zu prüfen und seriöse Informationsangebote zu nutzen, wie die Angebote etablierter Medienhäuser mit professionellen Redaktionen und ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten oder auch die Seiten des Auswärtigen Amtes. Auch das DRK stellt auf seiner Website https://www.drk.de/ gemäß des aktuellen Kenntnisstandes Informationen zu seiner Arbeit im Katastrophengebiet zur Verfügung.


Die Hilfe kommt in den syrischen Gebieten, so hört man, schlechter an als auf der türkischen Seite. Woran liegt das?

Unsere Partner vom Türkischen Roten Halbmond und Syrischen Arabischen Roten Halbmond sind mit ihren lokalen Teams und Freiwilligen überall in der betroffenen Region unermüdlich im Einsatz. Voraussetzung ist allerdings, dass Vereinbarungen über Sicherheit und Zugang für die Einsatzkräfte mit den örtlichen Verantwortlichen getroffen werden und diese auch gewährleistet werden können. Derzeit laufen unter Beteiligung von internationalen Organisationen Verhandlungen über humanitäre Zugänge in Syrien. Lokale Teams retten und helfen, wo sie können, ab der ersten Stunde. Die Nachlieferung von größeren Hilfsgüterladungen und Ausrüstung ist logistisch deutlich komplexer.


Vor allem die Situation in Syrien ist äußerst komplex: Das Land wird seit 12 Jahren von einem bewaffneten Konflikt und einer schweren Wirtschaftskrise heimgesucht. Aufgrund des Mangels an Strom und Treibstoff, der geschwächten Infrastruktur und politischen Komplexität ist es in vielen Gebieten, auch im Norden Syriens, eine besondere Herausforderung, humanitäre Hilfe zu leisten. Der Syrische Arabische Rote Halbmond arbeitet derzeit rund um die Uhr in Hama, Aleppo, Tartous und Latakia. Der Zugang zur Region Idlib und zu Hunderten von Dörfern dazwischen ist nach wie vor schwierig. Freiwillige Helferinnen und Helfer, die nur über begrenzte Mittel verfügen, waren und sind die Ersten, die helfen.


Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung setzt sich dafür ein, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen, wo immer und wer immer sie sind. Der humanitäre Zugang darf nicht eingeschränkt werden. Seit Jahren weist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) alle Parteien unmissverständlich auf diesen Punkt hin.


Wie organisiert das DRK Hilfeleistungen in Syrien? Ist das DRK dort vor Ort?

Das DRK arbeitet seit 2012 in Syrien und ist derzeit mit einem Team von drei internationalen Mitarbeitenden und einer syrischen Mitarbeiterin in Damaskus vertreten. Das DRK unterstützt den Syrischen Arabischen Roten Halbmond vor allem in den Bereichen Gesundheitsversorgung, humanitäre und medizinische Logistik und Stärkung seiner Kapazitäten. So kann trotz des anhaltenden bewaffneten Konflikts im Land fortlaufend auf Krisensituationen reagiert werden. Diese enge Verbindung ist auch die Basis für die Zusammenarbeit in der aktuellen Katastrophensituation. Durch den direkten Kontakt kann das DRK genau erfassen, was die Menschen in den betroffenen Regionen des Landes benötigen und zielgerichtet Hilfe leisten.

Die Helferinnen und Helfer des SARC decken mehr als 60 Prozent der humanitären Hilfsleistungen in Syrien ab.


Wie wird sichergestellt, dass die Hilfsgüter des DRK auch tatsächlich betroffene Menschen in Syrien erreichen?

Die Hilfsgüter werden in Syrien an unseren Partner, den Syrisch Arabischen Roten Halbmond (SARC) übergeben und von diesem in die von ihm betriebenen und vom DRK unterstützten Lagerhäuser transportiert. Von dort aus werden sie an betroffene Menschen in verschiedene Regionen des Landes verteilt. SARC erfasst die verteilten Güter in Berichtstabellen und übermittelt diese ans DRK. Das DRK unternimmt zudem regelmäßige Feldbesuche mit SARC.


Der Syrische Arabische Rote Halbmond fordert die Aufhebung von Sanktionen gegen das Land, um die Lieferung von Hilfsgütern zu erleichtern. Teilen Sie die Auffassung Ihrer Schwestergesellschaft?

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung merkt seit geraumer Zeit an, dass Sanktionsregime, wenn auch unbeabsichtigt und indirekt, einen nachteiligen Effekt auf die Lebensumstände von vielen Menschen in betroffenen Ländern haben können. Denn obwohl viele humanitäre Hilfsaktionen von Sanktionen ausgenommen sind, zögern viele Banken und Zulieferer aus Unsicherheit bei Geldtransfers/-überweisungen bzw. Vertragsabschlüssen in sanktionierten Kontexten. Die Menschen in Syrien brauchen nicht erst seit den aktuellen Geschehnissen sicheren Zugang zu grundlegender Versorgung. Dies beinhaltet u.a. Diesel zur Stromversorgung, Trinkwasser, Gesundheitsversorgung und Bildungsmöglichkeiten. Deswegen ist es essenziell, dass humanitäre Hilfe weiterhin klar von Sanktionsregimen ausgenommen wird und auch indirekte Folgen bei den Bedarfs- und Handlungsanalysen berücksichtigt werden.


Beeinträchtigen Sanktionen der EU die humanitäre Hilfe und/oder die Aufräumarbeiten und Suche nach Vermissten in den Erdbebengebieten in Syrien?

Gerade in dieser schwierigen, dynamischen Situation ist es wichtig, dass mögliche nachteilige Wirkungen für humanitäre Organisationen weiter minimiert werden. Das heißt vor allem auch, dass die Funktionsweise und Hebelwirkungen von Sanktionen besser verstanden werden müssen – von humanitären Organisationen, aber auch von Banken und Zulieferern. Oft wird, wie bereits gesagt, aus Unsicherheit mit dem Umgang mit Sanktionen eher zurückhaltend und vorsichtig agiert. Hier wäre es hilfreich, wenn für schnelle Hilfe für Betroffene in dieser Situation nun auch von den Staaten schnell, konkret und umfassend aufgeklärt wird.


Wie ist die Lage in den DRK-Büros in der Türkei und Syrien? Sind diese ebenfalls von den Erdbeben beschädigt worden? Gibt es Verletzte?

Aktuell unterhält das DRK ein Büro in Damaskus in Syrien in der Zentrale des Syrisch Arabischen Roten Halbmondes. Diese ist unbeschädigt und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sind wohlauf. Die Zusammenarbeit mit der türkischen Schwestergesellschaft wird normalerweise über das regionale DRK-Büro in der libanesischen Hauptstadt Beirut koordiniert. Aufgrund der derzeitigen massiven Notlage wird die zuständige DRK-Mitarbeiterin künftig aus Ankara, dem Hauptsitz des Türkischen Roten Halbmonds, arbeiten. Zur Unterstützung bei der Abwicklung der Hilfslieferungen wurde kurzfristig ein Nothilfeexperte in die Krisenregion im Süden des Landes entsandt. Zudem unterstützt unsere globale Kommunikationsdelegierte bei der Berichterstattung.


Wie unterstützt das DRK in der Türkei darüber hinaus?

Das DRK und den TRH verbindet eine lange Partnerschaft in der internationalen Zusammenarbeit seit 1986, die insbesondere mit Beginn der Syrien-Krise vertieft und gestärkt wurde. Die Unterstützung durch das DRK erfolgt in den Bereichen Hilfsgüterversorgung, Aufbau von Gemeindezentren sowie im Hinblick auf Programme für die mentale Gesundheit. Der TRH ist zusammen mit der staatlichen Katastrophenschutzbehörde AFAD die führende, staatlich mandatierte humanitäre Organisation in der Türkei, sowohl für die innerstaatliche Versorgung als auch für die syrischen Geflüchteten.


Werden bestimmte Regionen bzw. Bevölkerungsgruppen wie die Kurden bei den humanitären Hilfeleistungen des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes benachteiligt?

Als gesamte Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung mit all ihren Komponenten, d.h. Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, dem IKRK und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRK), helfen wir Menschen allein nach dem Maß der Not und folgen damit unseren Grundsätzen. D.h. wir helfen allen Menschen in Not, ungeachtet ihrer Nationalität oder ethnischen Herkunft.


Arbeitet das DRK auch mit dem „Kurdischen Roten Kreuz“ zusammen?

Das „Kurdische Rote Kreuz“ ist keine offiziell anerkannte Nationale Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaft und kein Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Somit ist es auch keine Schwestergesellschaft und kein Partner des DRK.


Wieso darf nicht jeder, der helfen will, das Rote Kreuz als Zeichen beispielsweise für einen Hilfstransport nutzen?

Das DRK sowie die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung weisen darauf hin, dass private Helferinnen und Helfer ihre Transporte nicht mit dem Schutz- und Kennzeichen des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes versehen dürfen. Das ist ein klarer Missbrauch der Schutz- und Kennzeichen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes. Die Verwendung des Roten Kreuzes, des Roten Halbmondes und des Roten Kristalls ist nach den Genfer Abkommen wie auch in deutschen Gesetzen streng reglementiert. Das Symbol darf zu Identifikations- und Schutzzwecken nur von den Sanitätsdiensten und dem Seelsorgepersonal der Streitkräfte, von Krankenhäusern sowie von anerkannten neutralen und unparteiischen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz verwendet werden und dient der Sicherheit der humanitären Helferinnen und Helfer sowie dem Schutz der von ihnen versorgten betroffenen Zivilbevölkerung.


Ist es sicher, für den Türkischen Roten Halbmond zu spenden?

Die einzige Aufgabe des Türkischen Roten Halbmonds, einer 155 Jahre alten humanitären Hilfsorganisation, besteht darin, Menschen in Not zu helfen und gefährdete Menschen bei Katastrophen zu unterstützen. Alle eingehenden Spenden werden ausschließlich für diese humanitäre Aufgabe verwendet. Der Türkische Rote Halbmond gewährleistet seine Rechenschaftspflicht durch transparente Berichtsverfahren, einschließlich regelmäßiger Tätigkeitsberichte und Jahresberichte. Diese Verfahren informieren jeden über die Verwendung der an den Türkischen Roten Halbmond gespendeten Mittel.


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